„xundlachen“ – Klinikclowns mit Fingerspitzengefühl

Seit etwa zwei Jahren probt Andreas Martin mit seiner Gruppe im Theaterraum. Die Klinikclowns besuchen kranke Kinder und ältere Menschen in Einrichtungen, um als Clowns vor und mit ihnen zu spielen. Eine Arbeit, die intensives Training und viel Empathie erfordert.

Wer denkt, dass ein Klinikclown sich bloß eine rote Nase aufsetzen und ein paar Witze erzählen muss, irrt sich. Denn zu den Auftritten vor kranken Kindern oder psychisch beeinträchtigten älteren Menschen gehören viel Feingefühl und Wissen. Andreas Martin gibt ein Beispiel: „Wenn wir zu zweit einen Raum mit kleinen Patienten betreten, müssen wir spüren: Wollen die Kinder lieber zusehen oder eingebunden werden? Mit unserem Spiel stellen wir dann Kontakt her.“ Wenn er von Krankenzimmern, die zum Dschungel werden, und Kindern, die Zugfahrer spielen, erzählt, kann man die Szenen beinahe vor sich sehen. „Im Spiel vergessen wir uns selbst für einen Moment. Diesen Moment möchte ich schenken“, erklärt Martin. Und erweitert ganz nebenbei meinen Horizont, indem er beschreibt, wie zum Beispiel ein weißer und ein roter Clown miteinander spielen. „Der rote Clown ist oft der Sympathieträger, denn er ist tollpatschig und macht viel falsch. Die Rolle des weißen Clowns ist wesentlich ernster. Er ist oft der Chef, das verstehen auch die Kinder und Patienten schnell. Dadurch, dass sie die Rollen durchschauen, finden sie schnell in unser Spiel.“

Andreas Martin mal geschminkt …

Ein Dachverband für Klinikclowns

In Deutschland gibt es einen großen Dachverband und viele kleine Organisationen für Klinikclowns. Und es gibt eine Konferenz für Klinikclowns in Weimar, die Andreas Martin seit zwei Jahren mit organisiert. Dort bilden sich die Clowns weiter, spielen mit einander und sprechen über Möglichkeiten zur weiteren Professionalisierung ihrer Tätigkeit. Dazu gehört zum Beispiel auch die Frage, welche Struktur ein Studium haben müsste, denn die Anforderungen an die Klinikclowns sind vielseitig. „Wichtig ist, dass man auch in diesem Bereich Kreativität, Ideen und Freiheiten zulässt“, sagt Martin.

Für ihr Spiel trainieren die Clowns regelmäßig. In ihr offenes Training im Dezernat bringt sich jeder Teilnehmende mit seinem Können ein. „Auch wir lernen das meiste durch freies Spiel mit einander“, sagt Martin. Dass der Softwareentwickler in seiner Freizeit mal zum Clown würde, hätte er nicht gedacht. Arbeitskollege Pedro Mayor de Frias, Mitgründer und Vorstand des Vereins „xundlachen“, erzählte ihm bei einem Kaffee von seiner Tätigkeit. Und von einem Schnupperkurs für Clowns in Karlsruhe. „Dort meldete ich mich an, und fuhr dann beinahe doch nicht hin“, lächelt Martin. Kurze Zeit später folgte Workshop auf Workshop. Irgendwann fragte er Pedro Mayor de Frias, ob er mal in eine Einrichtung mitgehen könne. Im letzten Jahr hatte Andreas Martin dann 60 Auftritte.

… mal ungeschminkt.

Fingerspitzengefühl für die verletzlichen Patienten

„Eine schöne und erfüllende, aber auch zeitintensive Tätigkeit“, berichtet er. „Wir sind momentan 10, bald 12 Klinikclowns, und könnten immer noch mehr Einrichtungen besuchen als wir es derzeit tun“. Neben der Schauspielerei fallen viele administrative und organisatorische Tätigkeiten für den Verein an. Zusätzlich Workshops, Konferenzen, Weiterbildung. „All das sichert die hohe Qualität unserer Arbeit, die so wichtig ist“, erklärt Martin. Weil das Spiel und der Kontakt mit den Patienten oft emotional ist, sollten am Training Interessierte bereits Erfahrung mitbringen. Auch, weil das Publikum sehr verletzlich ist. Das müssen zukünftige Clowns wissen, und damit umgehen können.

Über die Möglichkeiten des Dezernats ist Martin sehr froh: „In Heidelberg gibt es kaum Proberäume, und wir schätzen den Theaterraum sehr“, sagt er. In Heidelberg besuchen die Clowns zum Beispiel die Kinderchirurgie, das Augustinum im Emmertsgrund und das PZN in Wiesloch. Wer mehr über die Arbeit von „xundlachen“ erfahren möchte, kann sich auf der Website informieren.

 

(Beitragsbild und erstes Bild im Text: Sabine Kast und Hans-Jürgen Sommer für „xundlachen“)

(Zweites Bild im Text: Julia Schönborn)