Was machen eigentlich …

… die MFG Baden-Württemberg und die Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg?

Seminare, Wettbewerbe, Netzwerktreffen: Die MFG Baden-Württemberg ist die landesweite Fördereinrichtung für Kultur- und Kreativschaffende. Vor Ort unterstützt die städtische Stabsstelle durch Beratungs-, Weiterbildungs-, Netzwerkangebote die lokale Kreativszene. In diesen Monaten ist die jahrelange gute Zusammenarbeit der Medien- und Filmgesellschaft mit der Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft Heidelberg wieder besonders sichtbar.

Eine gute Zeit, den Mitwirkenden mal über die Schulter zu schauen. Wir befragten die Kolleginnen der Stabsstelle zu den bundes- bzw. landesweiten Wettbewerben „Kultur- und Kreativpiloten“ und „Ideenstark“, zu den in Kooperation stattfindenden Seminaren für Kreativschaffende und zu kommenden Aktivitäten, die wir im Auge behalten sollten. Ellen Koban und Katharina Pelka standen uns Rede und Antwort.

Wettbewerbe für die Kreativwirtschaft

Am 1. Juli ging die Bewerbungsphase für die bedeutendste Auszeichnung im Kreativbereich auf Bundesebene zu Ende. In den nächsten Wochen entscheidet eine Jury des „u-instituts“ zusammen mit der MFG und anderen Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Politik, wer zu den Kultur- und Kreativpiloten 2018 zählen wird. Die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs erhalten über ein ganzes Jahr lang persönliches Mentoring und Expertenworkshops. 2013 gehörte Matthias Burgbacher – Gründungsmitglied der im Dezernat 16 ansässigen Kreativagentur plan:kooperativ – zu den Kreativpiloten. Durch die dort geknüpften Kontakte wurde er später als Fellow des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes berufen. Auch die Teilnahme an den Workshops und das vermittelte Wissen brachten den Gründer von plan:kooperativ weiter, wie er in einem Rückblick auf die Zeit als Kreativpilot erklärte. Ziel des Programms ist es, kreative Geschäftsideen zu stärken, mit Mentoring zu unterstützen und so in ein wirtschaftliches Unternehmen zu überführen.
Auf Landesebene heißt das entsprechende Programm „Ideenstark“ und wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg unterstützt. Für die Teilnahme am Ideenstark-Wettbewerb der MFG kommen Kreativunternehmen und Selbständige mit innovativen Projektideen aus Baden-Württemberg infrage.

Die Bewerbung für beide Programme ist bewusst niedrigschwellig gehalten; für die Kultur- und Kreativpiloten reicht eine knappe Projektbeschreibung oder ein Video sowie ein Online-Formular. Für die Ideenstark-Bewerbung reicht ebenfalls das Ausfüllen eines Online-Formulars, optional angereichert mit Bildmaterial. In der zweiten Runde folgt dann in der Regel eine persönliche Vorstellung der Ideen und Akteur*innen. Beim diesjährigen Ideenstark-Wettbewerb kamen 24 Unternehmen und Selbständige aus den verschiedensten Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft in die zweite Runde. Ellen Koban saß in der bunt gemischten Jury: „Die Bandbreite an Bewerbungen war groß – Studierende, zwei junge Schülerinnen, Kultur- und Kreativschaffende in der Gründungs- oder auch Wachstumsphase stellten uns jeweils im kleinen Kreis ihre Ideen und Visionen vor“, berichtet sie. Die Bewerberinnen und Bewerber mussten sich dabei in drei verschiedenen Gesprächen mit unterschiedlich zusammengesetzten Jurys breit gefächerten Fragen stellen. „Im Vordergrund standen dabei die Projektidee sowie die Persönlichkeit, die dahinter steckt. Stark im Fokus war außerdem die Frage, ob sich das Vorhaben auch finanziell tragen kann. Schließlich geht es im Rahmen der Förderung von Gründerinnen und Gründern aus der Kultur- und Kreativwirtschaft immer auch darum, mit dem eigens entwickelten Produkt oder der Dienstleistung Gewinn zu erzielen. Wir Jurymitglieder hatten also immer zwei Seiten im Blick, einerseits das schöpferische und innovative Potential des Projekts, andererseits das überzeugende Geschäftsmodell.“
Die 15-minütigen Gespräche wurden dadurch jeweils zu kleinen Beratungseinheiten. „Toll war dabei die Rückmeldung der Teilnehmenden. Ein Bewerber meinte, er habe bereits von den Fragen der Jury enorm profitiert“, sagt Ellen Koban. Ganz im Sinne des Namens Ideenstark zeichnete die MFG zuletzt auch eine starke Idee aus Heidelberg aus: Fremdformat! (siehe Vorstellung weiter unten)

Bild: Ellen Koban

Besondere Stellung der Kultur- und Kreativwirtschaft

„Innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft zu gründen ist anders, als in vielen anderen Branchen“, betont Katharina Pelka. „Auch sollte man nicht jede Gründung als Startup bezeichnen. Unsere Gründerinnen und Gründer kommen mit anderen Fragestellungen zu uns. Sie haben eine Idee, ein Projekt, und das soll sich zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickeln. Skalierbarkeit oder schnelles Wachstum und ebenso schneller Exit sind aber in aller Regel nicht angestrebt.“ Hierfür brauchen die Ideenstifterinnen und -stifter vor allem nachhaltige Beratung und Begleitung. Um von dem Programm zu profitieren, ist daher auch persönlicher Einsatz erforderlich. „Als Jurymitglied haben wir da nachgehorcht: Wer ist wirklich bereit dazu, viel Zeit und Arbeit in das Mentoring-Programm zu investieren? Denn einigen war nicht klar, dass auch sie selbst gefordert sein werden“, berichtet Ellen Koban. Am Ende dreier intensiver Tage voller Projektvorstellungen, Befragungen und Beratungen fand am 16. Mai die Preisverleihung samt einer kleinen Ausstellung der Produkte und Ideen statt. „In diesem feierlichen Rahmen einige Projekte und Menschen wiederzusehen, die man selbst ausgewählt hat, war ein toller Moment!“, fasst sie die Jurytätigkeit zusammen.

Doch nicht nur bei Wettbewerben gibt es eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg und der MFG Baden-Württemberg. Über die letzten Jahre ist eine Partnerschaft entstanden, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Die Medien- und Filmgesellschaft und die Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft wirken mittlerweile gemeinsam über Stadtgrenzen und Regionen hinaus. „Zu Beginn unserer Arbeit haben wir uns darum bemüht, dass die MFG hier in Heidelberg Seminare veranstaltet“, erinnert sich Katharina Pelka. „Bei Netzwerk- und Partnertreffen stellten wir fest, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen und gut zusammen arbeiten können. Heute sieht uns die MFG als wichtigen lokalen Partner – eine gute Basis für die fruchtbare Kooperation“. Sie ergänzt: „Mittlerweile können wir eigene Ideen einbringen, werden zu Aktivitäten eingeladen – bei der Frankfurter Buchmesse sind wir zum Beispiel wieder beim Gemeinschaftsstand „Ideentanke“ dabei – und die MFG veranstaltet vier Seminare pro Jahr hier in Heidelberg. Wir freuen uns sehr über diese Kooperation“.

Bild: Fremdformat

Fremdformat gewinnt den Ideenstark-Wettbewerb der MFG

Vor kurzem zeichnete die MFG das Heidelberger Schmucklabel Fremdformat aus. Dir Gründerinnen gewannen den Wettbewerb Ideenstark und erhalten nun individuelle Beratung und Coaching, um ihr Unternehmen weiter zu entwickeln.

Seit 2014 stellen die beiden Gründerinnen Julia und Steffi Gerner ihren individuellen Schmuck aus Messing, Kupfer und Edelstahl in Heidelberg her.
Fremdformat verwendet industrielle Materialien – Reste aus der metallverarbeitenden Industrie – und kreiert damit charakterstarke und nachhaltige Einzelstücke. Dabei achten sie ganz bewusst auf ressourcenschonende Produktion, Re- und Upcycling sowie klimaneutralen Versand. Auf Edelsteine, die häufig unter ethisch fragwürdigen Bedingungen abgebaut werden, verzichten die Designerinnen. Mit ihrem Konzept bewarben sich Julia und Steffi Gerner für die diesjährige Ausschreibung von Ideenstark. Am 16. Mai wurden sie als Preisträgerinnen geehrt. Zur Auszeichnung sagen die Gründerinnen: „Wir erhoffen uns, neue Impulse zu erhalten, wie wir mit unserem Unternehmen nachhaltig wachsen, uns gegen Konkurrenz behaupten und trotzdem unseren Grundsätzen treu bleiben können.“

Wir gratulieren sehr herzlich zur Auszeichnung!

 

Beitragsbild: Ellen Koban