Uncover Designfest – zum ersten Mal auch im Dezernat 16

Vom 1. bis zum 10. Juni fand das Mannheimer Designfest Uncover statt. Zum ersten Mal gab es dabei auch eine Kooperation mit der Heidelberger Kultur- und Kreativwirtschaft. So zeigten Kreative aus der Region am 8. und 9. Juni im Dezernat 16 ihre Entwicklungen im Bereich Digitales Design und User Experience.

Der große Andrang, der bei den Mannheimer Veranstaltungen zur Uncover herrscht, blieb in Heidelberg vorerst aus. Die Heidelberger genossen am Samstag lieber den Sommer auf den Neckarwiesen. Wer sich aber bis Sonntag Abend unter den circa 60 Besucherinnen und Besuchern befand, konnte sich über vielfältige Anwendungsmöglichkeiten von gutem digitalem Design informieren: Per VR-Brille, einem bekannten Computerspiel oder verschiedenen Präsentationen zu den ausgestellten Entwicklungen.

Sounddesign und Virtual Reality

Bei Delta Soundworks setzte Ana Monte den Interessierten Brille und Kopfhörer auf. „So können wir am besten zeigen, woran wir arbeiten“. Das Unternehmen produziert Sound für Medien und VR-Erlebnisse. Dazu gehören das Erstellen und Bearbeiten von Tönen und Musikkompositionen, sowie das Implementieren in die Story zur Untermalung. „Wir produzieren auch für klassische Medien wie Filme, sind aber auf den 3D-Effekt für VR spezialisiert. Der Ton muss sich dabei je nach Sicht des Betrachters verändern“, berichtete sie, während mittels VR ein Troll an einem knisternden Lagerfeuer unter einem sternenübersäten Himmel vor den Augen der Besucher erschien. Ana Monte ist schon länger in der Tonbranche. Ihr eigenes Unternehmen gründete sie mit ihrem Geschäftspartner vor zwei Jahren. Das Besondere bei Delta Soundworks: Die Gründer ergänzen sich und können so die gesamte Produktionskette – vom Sounddesign bis hin zum fertigen Produkt – anbieten. „Gerade im Bereich VR gewinnt die Soundproduktion an Bedeutung“, so Ana. „Es gibt bereits Organisationen und Unternehmen, die verschiedene Trainings mit VR-Brillen anbieten. Für ein immersives Erlebnis sind Toneffekte ganz entscheidend“. So zum Beispiel, wenn angehende Ärzte in der virtuellen Realität mit verschiedenen Herzschlägen trainieren.

Eine App für Demenzkranke

Bei Chris Peters steht der medizinische Bezug im Vordergrund. Der SAP-Mitarbeiter entwickelte in seiner Freizeit ein Programm, das Demenzkranken das selbstbestimmte Wohnen zuhause ermöglichen soll. „Mit fortschreitender Demenz fällt es nicht mehr leicht, sich an wichtige Dinge wie die Ankunft des Pflegedienst oder die Einnahme von Tabletten zu erinnern“, erläuterte Chris sein Produkt, das in einer einfachen Version bereits getestet werden kann. „Die Care Clock, die auf einem Tablet installiert wird, hat ein sehr übersichtliches Design, eine intuitive Bedienung und nur die nötigsten Funktionen“. Neben einer Tageskalender-Ansicht mit Zeit sowie einer Übersicht über Familie und Freunde sowie Pflegeinstitutionen, lassen sich mit der Care Clock auf einfachste Art Nachrichten versenden und empfangen. Mit einem Klick kann ein Skype-Anruf gestartet oder entgegen genommen werden. So können Angehörige an bevorstehende Ereignisse erinnern oder Besuch ankündigen. „Das erleichtert Demenzkranken, den Alltag zu bewältigen“, ist sich Chris sicher. Tatsächlich wünschen sich die meisten Menschen trotz fortschreitenden Alters oder Diagnose möglichst lange zuhause wohnen zu können. Digitale Technologien finden hier breite Anwendungsmöglichkeiten. Das Design wird dabei für das Alter der Anwender optimiert.

Design Thinking als Plattform

Fabian Biegel, ebenfalls bei der SAP angestellt und nebenberuflicher Gründer von groom solutions, verfolgt eine andere Idee. Schon früh arbeitete er im beruflichen Kontext mit Methoden des Design Thinking. Was ihn und seinen späteren Mitgründer Cyrille Waguet dabei störte: Design Thinking erzielt gute Ergebnisse, wenn die Anwender sich in einem Raum befinden. Danach aber müssen die Resultate verschriftlicht und ins Digitale übertragen werden, um sie allen zugänglich zu machen. Ein Medienbruch. „Ich fand, dass man an diesem Punkt aus dem Prozess fällt“, so Fabian. „Unser Ziel war daher die Entwicklung eines Toolset, das designorientierte Produktentwicklung unterstützt, gemeinsames Arbeiten ermöglicht und die Ergebnisse nicht extra ins Digitale übertragen muss, sondern sofort allen Mitwirkenden zeit- und raumunabhängig zur Verfügung stellt“. Das Ergebnis der Arbeit ist HatchUp, eine Plattform für den Austausch, auf der Methoden des Design Thinking zur Verfügung stehen. „Unsere Kunden stellen ihre Projekte auf der Plattform ein und können dann Mitarbeitende zu einem Projekt einladen“, erklärte Fabian auf der Uncover das Prinzip. Die Mitwirkenden können dann direkt mit verschiedenen Methoden wie zum Beispiel einem Storyboard, der Produktbeschreibung oder einem „Wireframing“ loslegen. Auch individuelle Anpassungen für den Kunden sind kein Problem. Seit 2015 sind die beiden Gründer nebenberuflich selbständig. Vor eineinhalb Jahren starteten sie mit der Entwicklung ihrer Idee. Heute haben sie einige große Businesskunden, die die Plattform nutzen. „Auch für kleine Projekte eignet sich die Plattform sehr gut“, so Fabian. „Hierzu freuen wir uns, wenn wir noch bekannter werden“.

Das gleiche gilt auch für die Kooperation der Uncover mit Heidelberg. Für die Besucherinnen und Besucher jedenfalls ist der Start geglückt. Und wir im Dezernat 16 freuen uns schon auf die nächste Uncover!