SYNERGIEN: Von der Cloud-Software Wawibox zum 12-Meter-Lagerturm

Angelo Cardinale und Simon Priess von Caprimed vertreiben ihr Warenwirtschaftssystem Wawibox für die Dentalbranche. Auf der Veranstaltung „Zünder für Gründer“  hielten sie unter dem Titel „Get Shit Done“ einen Vortrag über mögliche Fehler bei der Firmengründung. Danach, im informellen Teil der Veranstaltung, wurde Cardinale von einem Kooperationspartner der Firma Apfel angesprochen.
Apfel ist ein etablierter mittelständischer Zuliefererbetrieb für die metallverarbeitende Industrie (u.a. z.B. John Deere) mit Sitz im benachbarten Dossenheim.

(C) 2014 Apfel GmbH

(C) 2014 Apfel GmbH

Um sich auf dem hart umkämpften Markt abzusichern entwickelte Apfel im Laufe seiner Betriebsgeschichte auch eigene Präzisionsgeräte für die Metallverarbeitung und letztendlich Betriebseinrichtung für die „Arbeitsplätze der Zukunft“. Ein derzeitiges Produkt sind platzoptimierte Lagertürme, die beispielsweise an Konstruktionsbändern in der Automobilindustrie eingesetzt werden und mitunter eine Höhe von bis zu 10 Metern erreichen können. Hier geht der Trend hin zu intelligenter Automatisierung, was mitunter schon als „Industrie 4.0“ betitelt wird. Spezialisten wie Cardinale können die gefragte Expertise beisteuern die nicht im formalen Ausbildungsberuf erworben wird, sondern irgendwo in der Überlappung von eher informellen kreativwirtschaftlichen Netzwerken. Gerade in den kreativwirtschaftlichen Branchen rund um Software und Produktdesign wird dieses Wissen oft autodidaktisch und in Kooperationen entwickelt.

Der Kontakt wurde sozusagen am BBQ-Grill hergestellt und schon bald wurde Cardinale zu einem Besuch bei Apfel eingeladen. Bei einer Begehung des Betriebs wurde schnell klar: Was erforderlich wäre ist ein kontrolliertes Entnahme- und Ausgabesystem für diese automatischen Lagertürme. Wer entnimmt wo mit welchen Berechtigungen welche Werkzeugteile in welcher Stückzahl und wann drohen diese auszugehen?

Die Entwicklung der Idee schritt voran und bald rückte die Schnittstelle der Elektrotechnik zwischen der Hardware Regallager und der Software Warenverwaltungssystem in den Mittelpunkt. Wie es in der stark von informellen Netzwerken geprägten Kultur- und Kreativwirtschaft gewöhnlich der Fall ist, kennt man zumindest immer jemanden der jemanden kennt, der die benötigte Expertise liefern kann.
In diesem Fall lag es für Cardinale schnell nahe Anton Trojosky anzusprechen, der bei dem Hausnachbarn und Pedelec-Hersteller Coboc mit der elektrotechnischen Steuerung der Motoren beschäftigt ist.

Anton Trojoski und Angelo Cardinale

Anton Trojoski und Angelo Cardinale

So sind derzeit Personen aus zwei Unternehmen im Zentrum zusammen mit der Firma Apfel dabei eine Kommunikationsschnittstelle und ein elektronisches Verwaltungssystem für die automatischen Lagertürme zu entwickeln. Im Grunde geht es dabei um einen intelligenten Fahrstuhl für Waren. Der Prototyp eines elektronisch gesteuerten Entnahmesystems existiert bereits. In wenigen Wochen soll die Vorserienreife erreicht sein, die Vorbestellungen namhafter Automobilhersteller liegen Apfel bereits vor.

Kreativ wird dabei bereits über weitere Anwendungsgebiete nachgedacht. Diese für die Kultur- und Kreativwirtschaft typischen dynamischen und unkonventionellen Ansätze sind derzeit in der Industrie sehr gefragt. Man darf auf die Verquickungen der Zukunft gespannt sein.

(jm)