REMIX! Forschung und Kunst in Interaktion

Was passiert, wenn Forschende auf professionelle Kreative aus dem Dezernat 16 treffen? Die Ergebnisse einer solchen Zusammenarbeit gab es bei der Nacht der Forschung am 28. September zu sehen. Das Kooperationsprojekt „REMIX“ verprach eine Fusion von Wissenschaft und Kunst. In Arbeitsgruppen kamen die Forschenden mit den Akteurinnen und Akteuren des Dezernat 16 zusammen, um sich intensiv in individuellen Projekten mit verschiedenen Forschungsansätzen auseinanderzusetzen.

Sieben Projektgruppen zeigten am 28. September ab 17 Uhr im Dezernat 16 ihre Ergebnisse. Auf die Besucherinnen und Besucher warteten Installationen, Kunstwerke, Porträts, Skizzen, Fotografien und Performances. Die Kooperation war sowohl für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, als auch für die Kreativen eine spannende Herausforderung, bedeutete sie doch das Umdenken und Ausbrechen beider Seiten aus den alltäglichen Aufgaben und Denkstrukturen. Die Darstellung und Transformation wissenschaftlicher Erkenntnisse in multimediale Werke stand bei diesem Prozess genauso im Fokus wie die engen persönlichen Kontakte und die Neugier auf ungewöhnliche Herausforderungen. Besuche im EMBL und Führungen durch die Labore halfen dabei, kreative Ideen für die Zusammenführung von Wissenschaft und Kunst zu entwickeln und gemeinsam interessante Formate für die REMIX-Ausstellung zu erarbeiten.

Beim letzten gemeinsamen Treffen im Dezernat 16 stellten die Projektteams den Stand ihrer jeweiligen Arbeiten vor und erläuterten die Hintergründe: „Wir sind jetzt zwei Wochen vor der Nacht der Forschung mit unserem Projekt fertig, und es hat einen Riesenspaß gemacht!“ sagt Fotografin Sabine Arndt, die mit Malerin Karin Kopka-Musch und einem Forscherteam aus dem EMBL zusammenarbeitete. „Es war interessant zu erleben, wie mein Fokus sich durch die laufende Kooperation verschob und ich später andere Aspekte sah als zu Beginn. Es ist eine neue Welt, die wir uns zusammen mit den Forscherinnen und Forschern erschlossen haben.“ Karin ergänzt: „Es war am Anfang fast ein bisschen unheimlich, diese Welt zu betreten und unseren Weg in diesem Projekt zu suchen. Für mich war letztlich das Entscheidende das Spiel. Wir sollten in der Kunst nicht vergessen, zu spielen, und freies Spiel ist auch für die Forschung wichtig.“

Spannend waren dabei nicht nur die entstandenen Arbeiten, sondern auch der Weg, der die Teams zu den Ergebnissen führte. So fragte zum Beispiel Sabine Arndt die Forscherinnen und Forscher: „Warum arbeitet Ihr in Eurem Feld, und was ist Euer Ziel dabei?“ Diese persönlichen Fragen prägten die Ergebnisse. Einen persönlichen Ansatz wählten auch die Grafik-Designerinnen Nicole Gehlen und Antje Dräger. „Wir wollten die Personen zeigen, die hinter den Forschungsgebieten stehen. Dabei präsentierten wir zur Nacht der Forschung einen Mix aus ihren individuellen Ansätzen und unseren entstandenen Eindrücken als Porträt-Reihe und illustriertem „Science“-Kochbuch“, erläuterte Nicole die ausgestellten Werke.

Künstler Eyal Pinkas erlebte es als besonders faszinierend, zu sehen, wie viele Bilder und Grafiken bereits beim EMBL über die Forschung existieren. Er fragte sich, wie man diesen großen Schatz an Bildern heben und daraus Neues gestalten könnte. Sein Beitrag waren 3D-Aufnahmen, die er aus den Bildern anfertigte. Hierzu setzte er verschiedene Aufnahmen zusammen und machte so einen Teil des Datenschatzes erfahrbar.

Fotograf Dominik Paunetto erzählte den Projektgruppen beim gemeinsamen Treffen, wie viele verschiedene Ansätze er zu Beginn der Kooperation sah. „Ich war ein bisschen verloren, weil ich so viele Ideen hatte“, erklärte er lachend. „Dann bin ich einen Schritt zurück getreten und habe mich zunächst gefragt: Was ist mein Beruf, und wie kann ich mit den Dingen, auf die ich mich spezialisiert habe, einen Beitrag leisten?“ Die Fotografien, die er anfertigte, zeigten die Schallwellen von Objekten, die für die Forschung am EMBL entscheidend sind. Eine gelungene Abstraktion.

„Think big“ war das Konzept der Künstlerin Nicola Falley. Zusammen mit dem Forscherteam und Fotograf Kjartan Einarsson entwickelte sie eine Rauminstallation, die man am 28. September begehen und 1:1 erfahren konnte. „Die Idee war, ein Modell der menschlichen Zelle zu bauen“, erläutert Nicola. „Jede Zelle enthält fast 2m DNA, raumsparend in den 46 Chromosomen verpackt, und speichert im Zellkern die Erbinformationen für den Bau unseres gesamten Körpers.“ Busra Erarslan Uysal, Forscherin am EMBL, ergänzte: „Zusätzlich stellten wir Informationen über die Entdeckung der DNA bereit. Damit ehrten wir Rosalind Franklin, die damals die ersten detaillierten Aufnahmen der menschlichen DNA machte und auf deren Forschungsergebnissen die Arbeit der wesentlich berühmteren Watson und Crick beruhte. Sie bekam nie die Anerkennung für das, was sie herausfand und dokumentierte.“

 

Um den genetischen Code ging es auch in der Performance von Schlagzeuger und Musiker Daniel Gallimore. Er suchte eine Möglichkeit, DNA musikalisch umzusetzen. „Es gibt eine Richtung beim Schlagzeug Spielen, die „linear drumming“ heißt. Damit wird ein Spielweise am Schlagzeug bezeichnet, bei der alles nacheinander gespielt wird“, erklärte er sein Konzept. „Ich habe mir überlegt, dass ich den genetischen Code musikalisch übersetze.“

 

Dieser Bericht entstand als Ankündigung der Veranstaltung im Dezernat 16.

In unserem kommenden Bulletin folgt ein kurzer Nachbericht über die Veranstaltung sowie ein Ausblick auf die Kooperation im nächsten Jahr.

Bilder: Julia Schönborn, Dirk Welz