Heimaten: Fremde Räume – andere Stimmen

05.10.2018 / 20:00–22:00 Uhr / Ehemalige Sporthalle im Dezernat 16


Die Folgen der Globalisierung konfrontieren uns mit einem Thema, das gestern noch als erledigt galt: Heimat. Können Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen heimatlos werden, in der Fremde eine neue Heimat finden? Braucht Heimat einen konkreten Ort? Ist Heimat nur dort, wo wir geboren wurden, wo wir aufgewachsen sind? Nicht zuletzt, braucht es einen kulturellen Rahmen, um ein Gefühl von Heimat zu schaffen?

Heimat ist für den Einzelnen nicht nur das Gegenteil von Fremde, es ist viel mehr. Stoßen wir nicht auf Fremdes in uns selbst? Sind wir selbst nicht auch der Andere, der Fremdling, der uns verunsichert und ängstigt? Erkennen wir im Fremden nicht gerade jene Seiten von uns selbst, die wir gern verdecken, weil sie uns erschrecken?

Dennoch braucht es einen inneren Sinn zu unserer Umgebung, um zu fühlen, dass wir angekommen, heimisch geworden sind. Unsere Verfassung ist stimmig, wenn unsere emotionalen, sozialen, kulturellen und habituellen Eigenheiten auf positive Resonanz stoßen. Wir fühlen uns unpassend und fremd, wenn sie breite Ablehnung erfahren. 

Auf einer imaginären Reise durch fremde Kulturen begegnen die Zuschauer sehr unterschiedlichen Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie sind auf der Suche nach Heimat. Losgezogen mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, spüren sie bald, dass sie ihre Welt, ihre sozialen und kulturellen Prägungen im Gepäck haben. Ihre Welt lässt sie nicht los, umfasst sie wie ein Kokon.  

Ihre jeweiligen Sitten und Gebräuche sind ihnen eingeschrieben, brandmarken sie als Fremde. Faszinierend und abstoßend, erotisch und beängstigend, beeindruckend und lächerlich erscheinen sie den Zuschauern als exotisches Panoptikum, das ihnen Abwechslung und Nervenkitzel in die Langeweile des Alltags bringt.

Doch das Spiel mit der Camouflage währt nicht ewig. Bald zeigen sich Risse im Kunstgenuss. Das Fremde wirkt zunehmend unbehaglich, das Exotische abstoßend. Der Reiz des Neuen verpufft und die Sorge nach Angleichung und Eingliederung nimmt zu. Wie nach Kierkegaard die Götter aus Langeweile den Menschen schufen, so suchen die Menschen innere Leere mit Kultur zu füllen. „Bei uns gibt man sich die Hand und zeigt sein Gesicht […] wir sind nicht Burka.“ Ein groteskes Programm der Konditionierung und Anpassung folgt.

Der Rollenarbeit im Theater vergleichbar, beginnt unter Anleitung des Dirigenten die Zurichtung des Fremden zum brauchbaren Einwanderer. Bisherige Verhaltens-, Arbeits- und Denkweisen werden rigoros ausradiert, neue, für das Leben in der globalisierten Gesellschaft notwendige, werden „inkorporiert“. Die Einstudierung der Rituale und Normen wird zum irrwitzigen Spiel: Biographien werden umgeschrieben, habituelle und emotionale Eigenheiten erfunden, Lebenswege und gesellschaftliche Positionen werden verordnet. 

In seiner Rolle muss jeder glänzen. Das Publikum ist aufgerufen, Urteil abzugeben, zu loben oder auszubuhen. Je mehr die Rollenarbeit reift umso mehr zeigt sich: die Figuren bleiben künstlich, haben keine Substanz, sind im wahrsten Sinne heimatlos.

Also zurück! Wahre Heimat eröffnet sich nur dem, der Ankunft verspürt und zum Leben „ja“ sagen kann. Das Heil liegt nicht im Fortgehen, vielmehr im Ankommen. Man selbst und die Welt sind wieder zurück. Nochmals zur Welt kommen! Wer aus der Leere zurückkehrt, erfährt Verwandlung: das Eigene und die Dinge begegnen ihm mit stärkerer Intensität. 

Die Schauspieler „nehmen“ sich ihre eigenen Figuren. Es sind die großen Migranten verschiedener Kulturen und Zeiten. z.B. Lilith, Avram, Sarai, Ovid…

 

Premiere: Fr, 5. Oktober 2018 im #Dezernat 16, Emil-Maier-Str.16, 69115 HD

Weitere Vorstellungen: Sa, 6.10. / Fr, 19.10. / Sa, 20.10. / Fr, 9.11. / Sa, 10.11. / Do, 22.11. / Fr, 7.12. / Sa, 8.12.

Achtung: Die Aufführungen finden in der Turnhalle (neben dem Theaterraum) statt.