Dem Dezernat 16 entwachsen – die Erfolgsgeschichte von „Coboc“

Als die Gründer von „Coboc“ ihre kleine Werkstatt im Dezernat 16 ausbauten, war Carina Ehmann die zweite Angestellte. Mittlerweile ist das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern viel zu groß für die Räume der Kultur- und Kreativwirtschaft. Vor kurzem ist Coboc in die Kurfürstenstraße gezogen. Dem Dezernat 16 fühlt sich das Team immer noch verbunden.

„Als ich mich bei Coboc vorstellte, war das Auffallendste wohl das absolute Fehlen einer Inszenierung“, erinnert sich Carina Ehmann an ihre ersten Eindrücke. „Da musste nichts in Szene gesetzt werden, da ging es um das Projekt, um die Leidenschaft für das Produkt, da wurde gearbeitet und nicht präsentiert.“ Lachend fügt sie hinzu: „Wer uns damals im Dezernat 16 besucht hat, wunderte sich sicher, warum das Team aus Senfgläsern trinkt. Aber in allem was wir taten, merkte man diese Konzentration auf das Wesentliche.“

Über das Dezernat 16 verteilt: Das schnelle Wachstum von Coboc

Die Werkstatt im Hof war Büro, Lager, Besprechungsraum und Montagewerkstatt in einem. Dann zog Coboc in die Räume neben der Terrasse. Von da aus vergrößerte sich das Start-Up schneller als die Raumgewinnung voranschritt. „Das Tolle am Dezernat 16 für uns war, dass sich zu dieser Zeit ganz viele versteckte Räume fanden. Der Hausmeister schloss einen bisher völlig unbekannten Raum auf, und wir dachten, super, den mieten wir noch zusätzlich an“, lacht Carina Ehmann. In der Emil-Maier-Straße 18 hatte Coboc kurzzeitig einen Raum für die Montage und einen zusätzlichen Keller. Und dann war klar: Mehr geht nicht. Coboc zog mit einem weinenden Auge aus.

„Allein unser Lager muss heute viel mehr Kapazitäten haben“, erklärt Carina Ehmann. „Ich habe eine Demoflotte unserer E-Bikes, da sind Räder in allen unseren Größen und Ausfertigungen dabei.“ Mit dieser Demo-Flotte war sie mit ihrem Kollegen vor kurzem bei dem Architekturbüro „Tankturm“. Das Unternehmen möchte E-Bikes für ihre Mitarbeiter leasen. Eine umweltfreundliche, der angespannten Parkplatzsituation in Städten entgegen kommende Idee. „Seit 2013 werden Elektrofahrzeuge beim Leasing anderen Fahrzeugen gleichgestellt“, berichtet Carina Ehmann. „Das ist sehr interessant für Fuhrparks von Unternehmen. Nach einer Testfahrt mit den Coboc-E-Bikes war beim „Tankturm“ klar: Damit können wir die Mitarbeiter glücklich machen.“

Die Emil-Maier-Straße als Probestrecke

Das Besondere an den Rädern, die Coboc anfertigt, liegt für Carina in der Stimmigkeit zwischen dem Produkt und der Arbeit daran. Ihre Chefs beschreibt sie als Tüftler mit hohen Ansprüchen. „Mittlerweile haben wir Montagepartner für unsere beliebtesten Produkte und schrauben vor allem die „Special Editions“ selbst. Trotzdem verlässt nichts das Haus, das uns nicht absolut überzeugt hat.“ Früher sah man daher zu verschiedensten Tages- und Nachtzeiten die Zweiradmechaniker von Coboc, wie sie die final gebauten E-Bikes auf der Emil-Maier-Straße Probe fuhren. „Uns ist eine Symbiose gelungen aus einer Technologie, die ohne jeden Zweifel die Mobilität der Zukunft ist, und einem schönen, stimmigen Design“, sagt Carina. „Das erkennen die Leute oft ganz unbewusst, zum Beispiel auf Messen. Sie kommen zu unserem im Vergleich zur Konkurrenz ganz einfach gehaltenen Messestand und sagen: „Ihr habt die schönsten Räder“.

Ein solches Feedback und die positive Resonanz in den Medien ist motivierend. Aber auch die Verantwortung für das immer größer werdende Unternehmen wächst. „ Ich hoffe, dass wir unseren Start-Up-Charme trotzdem weiterhin behalten“, sagt Carina Ehmann. Zu diesem Charme gehört für sie auch, dass im Team alle wissen, was die anderen machen. So arbeitet sie einmal die Woche mit ihrem Laptop in der Werkstatt, denn dort schreiben sich die Produkttexte am authentischsten.

Was die Brandmanagerin außerdem an ihrer Arbeit mit Coboc schätzt, sind Energie und Einsatz. „Einer unserer Gründer baute sich während unserer Zeit im Dezernat 16 sonntags einen eigenen Stehtisch mit Elektromotor, weil er im Stehen arbeiten wollte. Er hat danach auch welche fürs Team gemacht. An einem dieser Stehtische arbeite ich bis heute“, erzählt Carina und fügt hinzu: „Obwohl wir jetzt ein viel größeres Team sind, findest Du immer noch jemanden, der am Sonntag morgen irgend ein Teamprojekt vorantreibt.“

Woanders gehen die Türen zu, hier sind sie aufgegangen“

An die Zeit im Dezernat 16 denken die Coboc-Mitarbeiter gerne zurück. Wegen der Atmosphäre und der Zusammenarbeit mit anderen Mietern. Oder weil es auch spätabends nach langer Montage noch Gespräche oder gemeinsame Essen mit den anderen Unternehmen und Kreativen gab, und sich alle gegenseitig halfen – mit Tipps, Werkzeug und Kooperationen. So gewann Coboc die Fahrradkuriere von „veloxpress“ für ihre Produkttests: „Ein guter Härtetest für unsere E-Bikes! Und die Fahrradkuriere freuten sich über mehr Watt statt mehr Waden“, lacht Carina. Auch eine Zusammenarbeit mit den Kommunikationsdesignern „Fuchs und Otter“ gab es in dieser Zeit.

„Das beste für uns aber waren die kurzen Entscheidungswege“, ergänzt Carina Ehmann. „Wie schnell das Dezernat 16 auf unser Wachstum reagiert hat. Das ist nicht selbstverständlich. Da gehen die Türen woanders zu, und hier sind sie aufgegangen. Alle haben sich für uns und unser Start-Up gefreut.“

Das tut die Kultur- und Kreativwirtschaft bis heute. Aktuell suchen Coboc wieder Nachwuchs, und zwar in den Bereichen Softwareentwicklung, Elektronik und Sales Innendienst. Wir wünschen dem Team weiter alles Gute.

 

Text und Beitragsbilder: Julia Schönborn